- Die Entwicklungen und Verbreitung der ICT haben in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Welche Entwicklungen sehen Sie für die kommenden Jahre voraus?
- Spracherkennung (speech to text) wurde und wird auch entwickelt mit Fokus auf Menschen, die auf die Sprache als (einziges) Mittel zur Steuerung von Geräten angewiesen sind. Diese Technik findet mittlerweilen auch Verwendung in Techniken für die Allgemeinheit, Beispiel Sprachsteuerung in der Automobiltechnik, der Telekommunikation usw. Sehen Sie weitere Chancen für „normale“ Benutzer, welche sich aus einer konsequenten Weiterentwicklung der Schnittstelle Mensch Maschine mit dem Fokus auf Menschen mit besonderen Bedürfnissen ergeben können?
- Die Section 508 in den USA ist ein Gesetz, welches, ähnlich wie das Behindertengleichstellungsgesetz, staatliche elektronische Dienstleistungen für alle Benutzergruppen zugänglich machen soll. Welche Konsequenzen ergeben sich aus der konsequenten Umsetzung solcher Gesetze? Diese Regelungen sind verbindlich für staatliche Dienstleistungen; kann oder soll man solche Regelungen für alle öffentlich zugänglichen Dienstleisungen verbindlich machen?
- In vielen Bereichen werden Entwicklungen gemacht, die erstaunlich sind. Beispiel: In Israel wird ein Virtual Reality 'Brain Helmet' entwickelt. Dieser dient dazu, in 3-D Lernsituationen darzustellen und die Benutzer damit interagieren zu lassen. Versuche mit hörbehinderten Kindern (welche statistisch einen tieferen Wert in IQ-Tests erreichen) haben gezeigt, dass nach einer Trainingsphase die Tests mit vergleichbaren Resultaten wie die einer Kontrollgruppe gemacht werden können.
Wie können Forschung und Entwicklung in dieser Richtung auch in der Schweiz unterstützt werden? Gibt es hier ähnliche Programme? Welche sollte es geben?
- Welche besonderen Chancen sehen Sie in Bezug auf die Nutzung der ICT durch Menschen mit besonderen Bedürfnissen? Welches sind für Sie die stichhaltigsten?
- Zwischen 60 und 70% der schweizerischen Bevölkerung nutzen Computer und Internet. Die Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen ausserdem (vereinfachend) an, dass bei zunehmender Bildungsnähe und höherem Einkommen die Nutzung zunimmt. Wo sind hier Menschen mit besonderen Bedürfnissen einzuordnen? Welche Konsequenzen sehen Sie?
- Entwicklungen werden mehrheitlich im Bereich technischer Lösungen gemacht, die Computer werden immer schneller und die Anwendungen komplexer. Schon beim Kauf eines Telefons muss vieles bedacht werden: Muss man sich erst mal entscheiden, über welches Netz man telefonieren will. Entweder übers Telefonnetz, übers Fernseh-Kabelnetz oder übers Internet. Und dann wirds erst richtig kompliziert. Nimmt man nun einen normalen Festnetz-Apparat, ein Dual-Phone, das auch Skype beherrscht und mit dem Computer verbunden ist? Oder geht man gleich aufs Ganze und wählt ein Skype-Handy, das direkt via WLAN mit dem Internet verbunden ist und keinen laufenden PC mehr benötigt? Weitere Stichworte: Einkaufen, Kommunizieren (Web 2.0!), Freizeit, Spielen, Lernen, e-gouvernment …Dies ist für schon für eine Mehrheit der „normalen“ Benutzer eine Überforderung. Wie sieht es aus für Menschen mit besonderen Bedürfnissen?
- Menschen mit besonderen Bedürfnissen haben in ganz verschiedenen Richtungen spezifische Anliegen an die Schnittstelle Mensch Maschine. Diese sind zum Teil bescheiden, zum Teil umfassend und überlappen sich zudem teilweise auch. Stichworte etwa Sehbehinderungen, Hörbehinderungen, motorische Einschränkungen, kognitive Einschränkungen, Fremdsprachige… Wo gibt es Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede dieser verschiedenen Gruppen von Benutzern? Kann es eine „unité de doctrine“ bei einer solch heterogenen Zusammensetzung überhaupt geben?